Neue Forschungen rücken versteckten Hunger in den Fokus

By: Manfred Eggersdorfer, Professor for Healthy Aging, University Medical Center Groningen, The Netherlands

Zusammenfassung

  • Versteckter Hunger stellt ein zunehmendes Problem für die rasch alternde Bevölkerung der heutigen Zeit dar – das Ergebnis von Mikronährstoffmangeln bei älteren Menschen.
  • Eine in Nutrients veröffentlichte, neue Studie untersucht die derzeitigen ernährungsbezogenen Herausforderungen in den USA und stellt potentielle Strategien, Interventionen und Lösungen für dieses Problem vor.
  • Eine weitere Studie zum Ausmaß des weltweiten Mangels an Omega-3-Fettsäuren zeigt die Notwendigkeit einer Änderung der Gesundheitspolitik um die Verbreitung von verstecktem Hunger zu reduzieren.

Ein übersehenes Problem

Es wird davon ausgegangen, dass das Problem des versteckten Hungers, jenem Zustand, bei dem Personen zwar über eine ausreichende Energiezufuhr, jedoch über eine suboptimale Mikronährstoffaufnahme verfügen, erheblich zunehmen wird, da die Bevölkerung in den USA zunehmend älter wird und die Anzahl an über 65-Jährigen kontinuierlich steigt. Er wird als „versteckt“ bezeichnet, da nicht unbedingt körperliche Symptome auftreten müssen und dieser Zustand von medizinischem Fachpersonal häufig nicht bemerkt wird und nicht gut dokumentiert ist.

Das Paper „Hidden Hunger: Solutions for America’s Aging Populations“ hat zum Ziel, die mangelhafte Ernährungssituation amerikanischer Senioren und die daraus folgenden Auswirkungen auf derenGesundheit zu erfassen.1 Das Altern ist ein komplexer Prozess, und der Ernährung wird eine bedeutende Rolle hinsichtlich dem erhöhten Risiko älterer Menschen für infektiöse und chronische Erkrankung zugeschrieben. Dies hat zu den jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten mit Mangelernährung verbundener Erkrankungen in den USA beigetragen, die für Personen über 65 Jahren schätzungsweise 51,3 Milliarden US-Dollar betragen.

Ein Balanceakt

Die Studie vergleicht den Anteil Erwachsener über 71 Jahren mit einer niedrigen Nährstoffaufnahme mit den US-Ernährungsrichtlinien 2015-20 unter Berücksichtigung der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren, Folat, den Vitaminen B6, B12, C, D, E und K, Magnesium sowie Zink. Es wurden diese Mikronährstoffe gewählt, da diese allesamt mit Gesundheitsproblemen bei älteren Menschen in Verbindung stehen. Protein war ebenfalls ein zentraler Aspekt, da es für den Erhalt von Muskelmasse beim Altern von grundlegender Bedeutung ist. Wie sich herausstellte, nahmen 92 % der Männer und 90 % der Frauen nicht die empfohlene Tagesdosis an Ballaststoffen zu sich, während 43 % der Männer sowie 21 % der Frauen Omega-3-Fettsäuren in nicht ausreichender Menge konsumierten.

In der Studie wurde der Nutzen verschiedener Diäten, wie den Diätempfehlungen gegen Bluthochdruck (Dietary Approaches to Stop Hypertension, DASH) sowie der Mittelmeerdiät, beurteilt. Es wurde festgestellt, dass eine ausgewogene Ernährung, unter anderem mit Vollwertkost, und ein reduzierter Konsum von raffiniertem Getreide, verarbeitetem Fleisch, Zucker, festen Fetten und Natrium optimal sind, um das Risiko chronischer Krankheiten zu senken.

Die richtige Strategie

Im Rahmen der Studie wurden unterschiedliche Ansätze untersucht, die den Ernährungsbedürfnissen älterer Menschen gerecht werden und die Häufigkeit von Mikronährstoffmangel und verstecktem Hunger senken könnten. Da ältere Menschen häufig ans Haus gebunden sind, wäre eine gezielte, häusliche Versorgung mit medizinischen und präventiven Dienstleistungen, wie zum Beispiel „Meals on Wheels America“, von Vorteil. Ebenfalls wurde darauf hingewiesen, dass ein proaktives Ernährungs-Screening-Programm hilfreich sein könnte, das ältere Menschen mit Risiko von Nährstoffmangel identifiziert. Zwar ist eine Ernährungsbeurteilung im klinischen Umfeld aufgrund zeitlicher Einschränkungen des medizinischen Personals nicht praktikabel, jedoch könnten Werkzeuge wie das Dietary Screening Tool entwickelt werden, um einen beeinträchtigten Nährstoffstatus im stationären und ambulanten Umfeld erkennen zu können.

Ergänzend zu diesem proaktiven Ansatz wird – insbesondere im Falle von Nährstofflücken – auch für eine Nahrungsmittelergänzung, mittels Lebensmittelanreicherung oder den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, argumentiert. Insbesondere bei älteren Erwachsenen wurde die Nahrungsergänzung mit Multivitaminen und Multimineralstoffen mit einem verringerten Maß an Mikronährstoffdefiziten in Verbindung gebracht. Nahrungsergänzungsmittel können eine qualitativ hochwertige Ernährung nicht ersetzen, jedoch stellen sie eine relativ schnelle, wirtschaftliche und zielgerichtete Interventionstechnik dar, welche die Kalorienzufuhr nicht beeinflusst.

Ein Plädoyer für Omega-3-Fettsäuren

Die gegenwärtige Studie und das Symposium über versteckten Hunger stellten einen aktiven Schritt zur Verbesserung des Bewusstseins für die Ernährungsbedürfnisse älterer Erwachsener dar. Das Ziel bestand darin, politischen Entscheidungsträgern die Vorteile der kurzfristigen Kosten für präventive Screenings im Vergleich zu den höheren langfristigen Ausgaben aufzuzeigen. Diese Sichtweise wurde zusätzlich durch eine Studie untermauert, deren Fokus auf dem weltweiten Mangel an Omega-3-Fettsäuren, Eicosapentaensäure (EPS) und Docosahexaensäure (DHS) sowie den praktikablen Optionen zur Verbesserung der Versorgung lag.2

Die Studie von Winkler [Link einfügen] verweist auf das Ausmaß der Nährstofflücke und verdeutlicht, wie sehr EPS- und DHS-Mängel trotz des offensichtlichen Nutzens dieser Mikronährstoffe durch politische Entscheidungsträger vernachlässigt worden sind. Zwar ist Fisch aller Art eine Hauptquelle für EPS und DHS, jedoch gibt es in den Meeren gegenwärtig nicht ausreichend Fisch, um die empfohlene Tagesdosis von 500 mg pro Person decken zu können. Das Paper kommt zu dem Schluss, dass mittels Kombination aller neuen Quellen, einschließlich Fisch, Algen und Getreide, ausreichend EPS und DHS zur Verfügung stünde, um die Mängel auszugleichen. Trotz der langsamen Angebotssteigerung argumentiert Winkler, sei es wichtig, das öffentliche Bewusstsein für das Thema EPS- und DHS-Mangel zu steigern, um die Verbreitung von verstecktem Hunger weltweit zu reduzieren.

Published on

09 March 2018

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Verweise

1. M. Eggersdorfer et al., ‘Hidden Hunger: Solutions for America’s Aging Populations’, Nutrients, vol 10, 2018.

2. J. Winkler, ‘The most hidden of all the hidden hungers: the global deficiency in DHA and EPA and what to do about it’, World Rev Nutr Diet., vol. 118, 2018, p.123-130.

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